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„Ostern!“ trompeten Narzissen

Eine richtige Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus) muss eine ordentliche Trompete haben und gelb sein. Veränderungen bei diesen Merkmalen führen unweigerlich zur Aberkennung des Osterglocken-Status. Aus der Osterglocke wird dann einfach eine Narzisse, genauer gesagt eine Trompetennarzisse.

Mit ihrer Trompete kündigt die Osterglocke zeitlich erst den Frühling an und dann das schöne Hasenfest. Der Anblick einer osterglockengelben Wiese sei wahrlich ein „goldenes Frühlingsversprechen“, hat der Gärtner Noel Kingsbury einmal geschwärmt.

Wer Freude daran hat, gebe nun einmal in eine Suchmaschine des Computers die Stichworte „Garten“ kombiniert mit „unbeliebt“ ein. Kurz darauf eröffnet sich ein ganzes Leporello an als scheußlich empfundenen Gartenzuständen: Allen voran werden Gierschbewuchs und Besuche von Wespen, Nacktschnecken und Elstern beklagt. Ablehnenswert alle miteinander, da ist sich unsere Nation einig wie sonst überhaupt nie.

Was gilt noch als scheußlich im Garten? Wohl die Farbe Gelb. Vielleicht ist ein gelber Graten ein wenig besser angesehen als ein Garten, der voll ist mit von Wespen bestäubten Gierschstäudchen, Nacktschnecken und Elstern – wird aber insgesamt auch eher abgelehnt. Gärtnereien vermelden seit Jahrzehnten enttäuscht, dass gelbe Stauden sich schlecht verkaufen. Sissinghurstweiß ist toll im Garten und Beete in Farbkombinationen wie aus Babymoden-Kollektionen.

Nur die beliebte Osterglocke, die darf in jeden Garten und gerne dann auch in gelb. Ja, als Osterglocke muss man sogar gelb sein, sonst wäre man ja bloß eine gewöhnliche Narzisse. Diese Einstellung hält sich, obwohl die Narzissenzüchtung seit Ende des 19. Jahrhunderts engagiert an der Neugestaltung der Narzissenblüte arbeitet. Es bleiben bei den Trompetennarzissen die gelben Sorten am beliebtesten.

 

 

 

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