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Nährlösungen, die Hoffnung auf Lösungen nähren

Pflanzendünger 1914

aus: Plant food; - its nature, composition and most profitable use. (1914) Lizenz: Public Domain

 
 

Die Gartenpflanzen sind hungrig. Eine Wildstaude ist jeden Tag ein wenig hungrig, eine Prachtstaude jeden Tag noch ein wenig mehr, da sie den Kräfte zehrenden Auftrag hat, ihre züchterisch vergrößerten Pflanzenteile zu unserem Vergnügen bereit zu halten.

Gärtnernde Menschen können ihre Gartenpflanzen Dünger fütternd beim prächtig sein unterstützen. Kompost könnte diesen Zweck erfüllen, aber auch die Düngejauchen, sofern man Kompost und Düngejauche rechtzeitig angesetzt hat.

Hat der gärtnernde Mensch es mit dem ‚rechtzeitig’ nicht so gehabt, kann er auch spontan zu einer düngenden Flüssigkeit greifen, die ihm stets kostengünstig zur Verfügung steht. Dabei handelt es sich um eine übersättigte Lösung, die neben Wasser lauter spannende anorganische und organische Substanzen aufweist. Hungrige Pflanzen finden aus dieser Lösung vor allem den dort reichlich vorhandenen Stickstoff, das Phosphat und das Kalium spannend. In wissenschaftlichen Feldversuchen wurden die gezüchteten Pflanzen nach Ausgabe des Flüssigdüngers ganz besonders prächtig. Zu finden ist dieser Flüssigdünger unter dem Namen Urin in der Harnblase des gärtnernden Menschen.

Bei einem wissenschaftlichen Versuch in Nigeria wuchs das Okra-Gemüse (Abelmoschus esculentus) auf dem Feld und im Gewächshaus nach der üppigen Ausgabe von menschlichem Urin besonders gut. Hatten die Forscher 15.000 Liter je Hektar vergossen, waren die Okra-Pflanzen genau so üppig wie die mit Kunstdünger versorgten. Bei 20.000 Liter je Hektar waren die Okra-Pflanzen sogar um einiges größer als die künstlich gedüngten. Das Urin der Menschen hat ein großartiges Potential als biologischen Dünger, fanden die Forschenden nach ihrem Okra-Versuch(Quelle).

Woanders hatten Rote Bete-Pflanzen gegenüber finnischen Forschern ähnliche Vorlieben für menschlichen Urin bewiesen, vor allem wenn diesem noch Holzasche beigemengt wurde (Quelle).

Das Stickstoff, Phosphor und Kalium das Pflanzenwachstum fördern, wies der Chemiker Justus von Liebig bereits um 1840 nach. Daraufhin griff man gerne zu Guano, in welchem diese Wachstumsförderer in großzügigen Mengen enthalten sind, und das von sympathischen Seevögeln popofleißig und unentgeltlich gebildet wird.

Guanotransport 1895

Guano, zum Transport in Säcke verpackt (1895). Lizenz: Public Domain

Lange Beschaffungswege machte das Heranschaffen jedoch kostspielig, und man bemühte sich um die Entwicklung und den Einsatz von Kunstdünger. Dessen Einsatz wiederum macht heute nicht mehr so viel Freude wie einst, da die für seine Herstellung benötigten natürlichen Phosphorreserven langsam zur Neige gehen:

„Weltweit streuen Landwirte … tonnenweise Phosphordünger auf ihre Felder – nur so lässt sich ausreichend Nahrung produzieren. Doch seit Jahren mehren sich die Stimmen derer, die davor warnen, dass die Phosphorreserven schwinden. Die Folgen wären fatal. Phosphorgestein wie Phosphorit bildete sich im Lauf von Jahrmillionen durch Ablagerungs- und Verwitterungsprozesse – es lässt sich weder künstlich herstellen noch in Dünger ersetzen.“ (aus: Urin – der Dünger der Zukunft? Spektrum der Wissenschaft, 25.11.2014)

Der selbstgemachte Urin hat von Natur aus viel Phosphor. Die Lösung Urin ist die Lösung.

Justus von Liebig hat übrigens nicht nur über Nährlösungen für die Pflanzenwelt nachgedacht. Größten Ruhm verschaffte Liebig die Entwicklung seines „Liebigs Fleischextrakts“, einer Nährlösung für den Menschen. Nach Liebigs Vorstellungen sollte der Fleischextrakt ein Nährmittel vor allem für die ärmere Bevölkerung sein. Letztlich bewährte sich der Fleischextrakt als sehr beliebte Würze für Suppen und Speisen, und wurde Vorläufer der heute verbreiteten Speisewürzen. Letzten Endes sollte der gärtnernde Mensch auch diesen Fleischextrakt nach der Nieren- und Blasen-Passage seinem Gärten zur Verfügung stellen.

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