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Weichherzig zu Weichtieren

Weinbergschnecken (Helix pomatia)

Gesellige Weinbergschnecken (Helix pomatia)

Gesellige Weinbergschnecken (Helix pomatia) auf dem Gartentisch in ihrer ganzen Pracht

 

Vor einigen Jahren hatte ich meine erste Weinbergschnecke auf der Hand. Das war als Mutprobe gedacht. In der typisch entspannten Weinbergschneckenart begann sie sogleich, an meinem Finger herum zu raspeln. Das hat gekitzelt: erst am Finger, dann am für sie urplötzlich entflammenden Herzen.

Weinbergschnecken mögen eigentlich keine Finger, sondern weiches Laub und weiche Gemüse. Im Gemüsebeet werden zum Beispiel Kohlrabiblätter sehr gerne genommen, ebenso wie Karottenkraut und Radieschenblätter. Meist kommen sogleich auch die Verwandten ohne Haus dazu und helfen beim Aufessen. Der Nutzgartenfreund ist nun für gewöhnlich erzürnt und ersinnt allerlei Schneckentödliches.

In einem schwachen Moment, nachdem zum wiederholten Mal Zucchinipflanzen bis auf lächerliche Stummel heruntergeraspelt waren, bin ich ebenfalls dieser Laune verfallen. Ein Schluck des guten Après-Gartenarbeit-Bieres wurde in eine Schale gefüllt und böse, unter Verdacht geratene Schnecken da hinein gesetzt. Ich erinnerte mich dunkel an die Erfindung von Bierfallen gegen Schnecken, und vermutete, das Prinzip dieser Fallen fuße auf eine Alkoholvergiftung der darin eingelegten Weichtiere.

Beobachtet habe ich jedoch aus der Schale entfleuchende, betrunkene Schnecken. Nachdem sie sich an dem guten Bier gütlich getan hatten sind sie mit wüst wackelnden Fühlern neuen Abenteuern entgegen geschleimt. Das schien mir irgendwie niedlich. Jetzt geht das gar nicht mehr mit dem tot machen.

Die aktuelle Taktik für ein friedlicheres Miteinander setzt darauf, dass sich die zerstörerische Gefräßigkeit am rechten Ort zu einer Nützlichkeit verkehren lässt. Dazu wird den Schnecken jenseits der Beete gezielt ihre geliebte weiche Pflanzenkost angeboten – und zwar auf dem Gipfel des Komposthaufens, wo sie sich als Gemüseabfall zuhauf einfindet. Wer des Schneckenmordens überdrüssig ist, setze sogleich eine Schnecke auf den Kompost und genieße deren Mithilfe bei der Komposterden- Herstellung.

Dass die Idee, Weinbergschnecken fräßen die Eier von verhassten Nacktschnecken, laut Peter Leonhardt ins Reich der Fabel verwiesen werden müsse, wird hier ungern verraten. Herr Leonhardt lebt schneckenliebend in Königstein im Taunus und hat auch ein entsprechendes Motto:

„Schneckenbeobachtung (snail- watching) das ist  whale-watching für jedermann“

Jede Schneckenart, der die kannibalische Eierfresser- Angewohnheit nachgesagt wird, bleibt eher von einem gezielt herbeigeführten Schneckentod verschont. Schneckenfreunde, die ihre geliebten Weichtiere schützen möchten, behalten besagte Wahrheit einfach für sich. Man muss ja nicht immerzu alles rückhaltlos aufklären.

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