Was einige Schmuck-Eremiten an Weihnachten taten
31. Dezember 2016
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Historische Iris am Wegesrand – bitte Finden und Retten.

Albrecht Dürer. Bart-Iris in Aquarellfarben (1503)

Spazieren gehen ist nur reizvoll, wenn man dabei etwas Reizvolles erblicken kann. Die Gärten anderer Leute bieten sich dazu an.

Die Erfindung von Maschendraht erweist sich hier als großartig. Sie gewährt Einblicke in Gärten aller Art. Wurde lange und sorgsam genug geblickt, findet das Auge manchmal Zierpflanzen, die sich durch die groben Maschen des Maschendrahtgeflechts dem Blickenden entgegen strecken. Etwas Tolles zu Finden ist noch toller als Tolles nur Erblicken. Pflanzen, die durch Maschendraht nach außen wachsen, wollen raus aus dem Garten, haben das Grundstück quasi schon verlassen. Solche Pflanzen soll man mitnehmen. Dazu kann man sich umschauen, ob man da einen Gartenbesitzer dazu um Erlaubnis fragen kann. Ansonsten muss das zur Not auch mal ohne Fragen vonstatten gehen. Das ist Retten von Kulturgut und sehr wichtig. Nein, das ist mit Diebstahl nicht zu vergleichen. Das ist, wie bereis angedeutet, eng verwandt mit Finden und Retten, und komplett garnicht verwandt mit Stehlen.

Fest steht, das viele Historische Iris, die in altmodischen Gärten überlebt haben, nun vom Aussterben bedroht wären ohne die Fund-Iris-Sammelei. Dabei wachsen sie schon so lange bei den gärtnernden Menschen. In den alten Gärten hinter den Maschendrahtzäunen finden sich Varietäten die schon vor der Erfindung des Maschendrahtzauns als Zierpflanzen den Menschen viel Freude bereitet haben. Manche Iris sind mindestens ein halbes Jahrtausend alt. Dürer hat sie gemalt, Breughel auch, und auch die Merian. Erst wuchsen sie in den Gärten des Adels der reichen Kaufleute, später in einfach allen Gärten. Ein Rhizom ist schnell über den Zaun weiter gereicht. Aus einem angereichten Rhizom werden bei den alten wüchsigen Sorten im Garten schnell viele neue Rhizome. Und die kann man dann wieder weiter reichen. Auf diese Weise erhalten sie sich seit Hunderten von Jahren. Erschütternd nur: es wird immer seltener weitergereicht. Statt Lieblings-Rhizome erreichen heute den Nachbargarten eher Wehklagen über die ganze schlimme Arbeit, die ein Garten angeblich macht.

Ein studierter tschechischer Historische-Iris-Sammler – nur um einmal zu betonen, wie kultiviert die Fund-Iris-Thematik eigentlich ist – möchte offensichtlich ebenfalls auf die immense Wichtigkeit der ganzen Sammelei hinweisen. Er schreibt, dass es sich bei den Historischen Iris  um die alten, relativ kleinblumigen Sorten handele, die seit Beginn der aktiven Iris-Zucht anfangs des vorigen Jahrhunderts bis ca. 1930 entstanden seien. „Bei uns in Tschechien waren sie vor einigen Jahren typisch für Gärten um städtische Häuser, die vor 1960 angelegt wurden. Sie sind hier wesentlich häufiger zu sehen als in den süd- und osteuropäischen Ländern. Im Zusammenhang mit der Verbreitung der modernen grossblumigen Züchtungen stirbt diese Gruppe leider langsam aus.“ (Dr. Milan Blazek auf http://www.paeonia.ch/gmbh/iris/blazek_2.html)

So, werte Leserin und werter Leser. Der Mann kommt aus Prag, hat einen Doktortitel, ist ehrenhaft und bewahrt diese Lebewesen vor dem Aussterben. Alles in allem kann dann die Historische-Fund-Iris-Sammelei nicht verkehrt sein.

 

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