Wenn Schneeglöckchen schneefrei haben
8. Februar 2016
Show all

Willkommen im Garten, kleine Wolfsmilch!

Es gibt Pflanzen, die tauchen ohne eigenes Zutun urplötzlich im Garten auf. Die Wolfsmilch in meinem Garten ist so eine.

Dieser Neuzugang heißt eigentlich in der botanischen Welt Euphorbia lathyris, die Kreuzblättrige Wolfsmilch, und ist eine altbekannte Gartenpflanze.

Dass man sie dessen schon lange für würdig hält, zeigen Abbildungen in alten botanischen Werken. Der Kupferstecher Jacob Sturm hat ihr zu Ehren schon im 18. Jahrhundert eine Illustration angefertigt:

Euphorbia lathyris

Kupferstecher Jacob Sturm 1796, aus Deutschlands Flora in Abbildungen

 

Und auch schon lange Zeit davor, im Jahre 1563, hatte der Botaniker Pietro Andrea Mattioli diese Pflanze unter dem lateinischen Namen Tithymalis characias mit einer Tafel bedacht. Er schrieb damals fasziniert:

„Diese Wolffsmilch hab ich erstlich gefunden inn dem Königreich Neapel/
umb die Stadt Terracina genandt/an alten wüsten hoffstetten.
Darnach hab ichs auch gesehen an dem Ufer des Venedischen meers… auff der reyse gegen der Stadt Triest.“
(P.A. Matthioli. G. Handsch 1563, New Kreüterbuch, p. 529).

Wie dieser frühe Wolfsmilch-Report zeigt, wies die Pflanze schon damals auf längst vergangene Gärten hin. Die waren dann bereits im Mittelalter angelegt worden, oder auch noch früher.

Bevor sie erstmals in europäische Gärten gelassen wurde, war sie in Asien zuhause. Fand sie ihren Weg über die Seidenstraße zu uns? Das trifft ja auf viele Pflanzen zu, die im Mittelalter aus Asien zu uns kamen. Hier wurden sie dann zu Gartenpflanzen geadelt oder als Medizinalpflanzen genutzt. Pferde und Kamele transportierten kostbare Waren, und eben auch begehrte Pflanzen.

Die weniger kostbaren Spezies klebten vermutlich auch als Saatgut unter den Hufen der fleißigen Transporthelfer. Euphorbia lathyris liebt Wegesränder, so liebte sie vielleicht einst auch den Wegesrand der Seidenstraße.

Die nicht schwinden wollende Hoffnung, die Wolfsmilch vertreibe Wühlmäuse und Maulwürfe, hält sie auch weiterhin in unseren Gärten. Entwischt sie aus dem Garten eines Wühlmaushassers, findet man sie auch bei uns verwildert am Wegesrand. Sie ist dann für Botaniker ein Neophyt.

Dekoriert man einen Plastik- Dinosaurier zu so einem kleinen Wolfsmilch-Nachwuchs, wirkt sie dekorativ exotisch. Sie vertreibt dann zwar immer noch keine Wühlmaus und auch keinen Maulwurf, beweist uns aber ihren Zierwert.

Garten-Februar-4746

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nähere Informationen wie wir mit den Daten ihres Kommentares umgehen erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Hiermit  bestätigen Sie unsere Datenschutzerklärung gelesen zu haben.

*